Category: literatur

Sir John Retcliffe

Im Internet sind Versionen der Romane von Sir John Retcliffe (Hermann Goedsche mit bürgerlichen Namen) bei Gutenberg_DE und zeno.org verfügbar. Aber die wirklich vollständigen sind unter Bibliothek digitaler Reprints klassischer Abenteuerliteratur (BidiRkA) zu finden.

Gerade der Roman Sebastopol ist nur dort wirklich ebook-kompatibel erhältlich

Man muß gelegentlich über den anti-englischen Teil hinwegkommen. Wenn 'tapfere russische Soldaten' 'gnadenlos von englischen Truppen' niedergemäht werden, spürt die parteiische Darstellung sehr, aber immerhin erkennt er auch bei den ihm weniger sympathischen Nationen typische Tugenden an.

Im Roman Nena Sahib ist es bedingt durch die Situation mitten im indischen Aufstand von Kalkutta natürlich pro indisch und anti britisch geprägt.

Der deutsche/preußische Charakter ist ein allein dem Gewissen, von der politischen Haltung seines Staates losgelöster Arzt - in beiden Romanen. Das ist dann auch stets die Figur, mit der sich der Leser durch den hehren moralischen Anspruch identifizieren soll.

Die Darstellung des türkischen Hofes schwelgt in orientalischer schwülstiger Exotik, das man es fast schon als Karikatur begreifen könnte, natürlich unglaublich intrigant, vom Harem aus wird Weltpolitik versucht, ... - aber es hat durchaus seinen Reiz.

Goedsche ist zwar nicht im gesellschafts-historischen Kontext der NS und Post-NS-Zeit zu verstehen, aber er ist durchaus durch seine antisemitischen Romaninhalte stets zu hinterfragen. In den Bänden Sebastopol und Nena Sahib ist die Darstellung von jüdischen Charakteren 'nur' von Vorurteilen geprägt, wie ihn wie oben erwähnt die Briten oder Türken, oder allgemein Dunkelhäutige meist als Sklaven dargestellt werden, nicht minder treffen. Sein späteres Werk Biarritz, welches die angebliche 'jüdische Weltverschwörung' (Stichwort: Die Weisen von Zion) prägte hingegen steht für massiven Antisemitismus.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist Geodsche nicht alleine mit diesen vorurteilsbehafteten Sichtweisen, man muß es als Leser entsprechend werten.

  Nergal

E-Bücher oder eBooks auf deutsch

Ich lese gerne, ich lese viel, aber ich mag es nicht mehr Buchseiten aus Papier umzublättern.

Eigentlich auch kein Problem im Zeitalter der eBook-Reader, aber (!) wehe dem, der deutsche E-Bücher erwerben möchte.

Wenn man die gängigen Online-Händler abklappert (libri.de, amazon.de und natürlich den Münsteraner buch.de), so ergibt sich ein Bild der Hoffnungslosigkeit: Perry Rhodan dominiert mit ca. 95% den Bereich Science Fiction, gerne unterfüttert mit Werken von Jules Verne und ein paar anderen Autoren.

Der EDV-Bereich ist noch 'traditionell' am besten bestückt, aber das sind in der Regel keine Lektüren.

Ein weiteres Highlight sind die Ratgeber und Lebenshilfen, bei denen sich der Druck anscheinend nicht mehr lohnt.

Allmählich besser wird die Situation bei den historischen Romanen, seit Autoren wie Tilman Röhrig oder Tanja Kinkel ihre Werke auch in elektronischer Form veröffentlichen.

Anscheinend der einzige Verlag, der erkannt hat, das elektronische Bücher bei Nachschlagewerken enorme Vorteile bieten ist PONS. Für gut 50 € kann man die beiden Großwörterbücher für DE <-> EN bekommen. Und man ist trotzdem so schnell, als wenn man den kleinen Taschenlangenscheidt durchsucht - nur die Resultate sind umfangreicher ;) .

Ebenfalls in die richtige Nische stoßen die Marco Polo-Reiseführer vor. Es gibt zwar noch ein paar kleinere Anbieter, die ebenfalls auf den elektronischen Markt gehen, aber der ADAC oder National Geographic als echte Referenzen auf dem Gebiet (unter vielen anderen) glänzen hier durhc Abwesenheit.

Am Ende bleibe ich also doch bei meinen kostenlosen Büchern von gutenberg.org, manybooks.net und seit jüngerer Zeit für den iLiad feedbooks.com.

Mein Fazit: die Technik ist da ... die Inhalte fehlen! - Liebe Autoren und Verlage: Es gibt so viele Möglichkeiten um Papier, Lagerraum und Logistik einzusparen und zugleich so unendlich viele Inhalte anzubieten.

Auf etwas Schwung im deutsch-sprachigen eBuch-Markt hoffend ...

  Nergal

Heimskringla - Chronik der norwegischen Könige


König Øystein (Photo: Nina Aldin Thune Creative Commons by-sa-2.5-Lizenz)

Die Geschichte der norwegischen Könige von Snorri Sturlson (CE 1179-1241) umfasst in etwa die Zeit CE 850 bis CE 1177. Ursprünglich in altnorwegischer Sprache verfasst und kompiliert, wechselt es zwischen eher sachlichem Ton und dem an Metaphern und Topoi überbordendem Stil der mittelalterlichen skandinavischen Skalden. Vor den Kapiteln zu den einzelnen Königen steht meist eine Redaktionsgeschichte der zur Kompilation verwendeten Sagas. Leider ist mir der Übersetzer ins Englische mir nicht bekannt.

Natürlich prägt der Zeitgeist zur Zeit der Niederschrift das Werk, so daß Hexen und Heilige, Zauberei und Wunder als selbstverständlich angenommen werden, was dem Werk aber keinen Schaden antut. Im Gegenteil, die Motivation der beschriebenen Akteure, die im gleichen Zeitalter und Glauben an übernatürliche Begenheiten glaubten wird äußerst plastisch dargestellt.

Bisweilen wirken die vielen in erschöpfender Tiefe ausgebreiteten Genealogien zur Verwirrung, aber nach einigen Seiten gewöhnt man sich an diese für damalige Verhältnisse unverzichtbaren Verwandschaften, die oft auch Einfluß nahmen auf das Handeln von Königen, Jarls und anderen.

Zum Herunterladen im benötigten ebook-Format bei manybooks.net:Heimskringla.

Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Euch

  Nergal

LibriVox

LibriVox ist eine meiner Lieblingsseiten im Netz, wenn ich mal Lust auf ein Buch habe, aber nicht Lesen, sondern Hören möchte.

LibriVox ist sozusagen manybooks.net zum hören. Freiwillige lesen Bücher, vorwiegend auf Englisch, aber auch in anderen Sprachen, vor und bei größeren Werken kommen mehrere zusammen, so daß kapitelweise ein Vorleser dran ist. Es gibt eine Menge sehr talentierter Vorleser, manche sind leider mit gutem Willen aber manchmal doch fehlendem Talent dabei. So ist es bei gemischten Stimmen bisweilen auch ein schwankendes Hörvergnügen. Aber nichtsdestotrotz ist es eine beachtliche Leistung, denn es sind bereits eine ganze Menge Bücher vertont, so daß so manche Stunde mit Kopfhörer und einem Buch verbracht werden kann.

Ich habe mir schonmal den Schimmelreiter von Storm auf deutsch heruntergeladen. Leider verweist der RSS-Feed nur auf die mp3-Dateien, denen man das mp3-Format bei niedriger Bitrate anhört.

  Nergal

The Civilization of China & Across China on Foot

Papierbücher nehme ich nur noch selten zur Hand. Die letzten beiden Bücher, die ich mir gekauft habe waren 'Python in a Nutshell' & 'Python Cookbook', da ich die nicht als ebook erhalten konnte und das nachschlagen doch manchmal leichter fiel als in den diversen online-Dokumentationen.

Aber ich drifte vom Thema ab
Meine neueste Entdeckung bei meinem bevorzugtem ebook-Anbieter manybooks.net lautet 'The Civilization of China' von Herbert A. Giles (1912).

Ich bin mir sicher, daß es modernere und umfassendere Werke gibt (215 KB reiner Text als pdb). Aber selten habe ich ein so angenehm zu lesendes Sachbuch in der Hand gehabt. Giles schreibt im Vorwort selber, es sei höchstens als Einstieg für erweiterte Recherche gedacht, diesem Ziel wird es bisher (knapp die Hälfte habe ich bereits durch) gerecht.

Giles gibt an passender Stelle immer wieder Anmerkungen zum historischen Rahmen, um gewisse Zusammenhänge zu erklären, ohne ins erstickende Detail zu gehen, so daß sich ein Rahmen bilden kann, in den man Puzzleteile der Geschichte und Kultur Chinas einfügen kann. Sein Hauptaugenmerk liegt aber sicherlich auf den verschiedenen Aspekten der Alltagskultur, von der Religiösität zum Rechtsverständnis. Unterbrochen wird das ganze von kleinen Ankedoten, die kurz nacherzählt abstrakt formulierten Eigenarten der chinesischen Alltagskultur einen Sitz im Leben verleihen.

Für jeden der sich mit der chinesischen Kultur vor Ihrer kommunistischen Zeit und vor der weitreichenden Industrialisierung beschäftigen möchte, ist dies sicherlich ein geeigneter Einstieg. Womit wir zum zweiten Buch zum Thema China kommen:
Ich habe leider 'Across China on Foot' von E. Dingle (1911) bereits zuvor gelesen und der journalistische Reisebericht und der eigenwillige Stil von Dingle erschwerten bisweilen die Quintessenz zu filtrieren. Hier hätte Giles Werk gute Dienste geleistet. Nichtsdestotrotz ist Dingles Reise das lebendige Gegenstück dazu. In einer Zeit kurz vor dem Umbruch in China, vor dem 1. Weltkrieg, und am kurz vorm Anfang vom Ende der Kolonialzeit reist Dingle zu Fuß mit einem Übersetzer und etlichen Trägern quer durch China.
Von verlausten schmutzigen Herbergen bis zu atemberaubenden Ausblicken in die Bergwelt Chinas, von Abenteuern mit Beamten und Soldaten bis hin zu Begegnungen mit anderen Europäern unterwegs, bleibt es immer spannend und man hat manchmal das Gefühl er schreibt über ein sehr modernes China, manchmal über ein China von vor tausend Jahren. Zwischen Tradition und Aufbruch. Im Spiegelbild auch oft ein Blick auf die britische / europäische Kultur um 1910 liefert es reichlich Anregung unseren eurozentrischen Blick auf die Welt von damals und heute zu verlassen.

Und hier die Verweise zu den ebooks:
The Civilization of China, H.A. Giles (1912)
Across China on Foot, E. Dingle (1911)

  Nergal